CAN 1998. R: Anne Wheeler. B: Peggy Thompson. K:Gregory Middleton. S: Alison Grace. M: Graeme Coleman. D: Wendy Crewson, Karyn Dwyer, Christina Cox, Ann-Marie MacDonald, Peter Outerbridge u.a. 90 Min. TiMe ab 8.7.99
Von Oliver Baumgarten
»Meine Mutter weiß gar nicht, daß ich diesen Film gemacht habe. Wenn sie das mitbekommt, dann kriegt sie einen Nervenzusammenbruch!«, erzählte mir Karyn Dwyer auf der diesjährigen Berlinale und fand damit spontan eine überaus treffliche Parallele zu Maggie, ihrer jung-konfusen Rolle in Anne Wheelers temporeicher Romantic Comedy.
Denn auch Maggie hat, seit sie autark in der großen Stadt lebt, ein Geheimnis vor ihrer Mutter. Sowohl von ihrer lesbischen Neigung als auch von ihrem leicht ungewöhnlichen Lebensstil vergißt sie regelmäßig der vertrauenseligen Familie zu erzählen, und als sich diese, in Form von Mutter und pubertierendem Bruder, zum längeren Besuch ankündigt, gilt es für Maggie umzudenken. Flugs mietet sie eine größere Wohnung und konstruiert eine Scheinrealität, die Mutter und Bruder schließlich eher noch mißtrauischer werden läßt und dazu Maggies neue Liebe Kim auszuschließen droht. Während ihr Bruder seinen ersten Orgasmus in Begleitung genießt, die Mutter sich in einen Dildo verliebt und Kim frustriert das Weite sucht, beschließt Maggie die ganz große Aussprache.
Schon immer war der kanadische Film um Meilen progressiver als sein übermächtiger kontinental-nachbarschaftlicher Bruder, doch die Liberalität von Better Than Chocolate ist wirklich bemerkenswert. »Wir wollten das so oft erzieherisch behandelte Thema von Homosexualität und Coming Out als Selbstverständnis einer Comedy-Handlung zugrundelegen. In homosexuellen Beziehungen werden schließlich die selben Probleme gelebt und können die selben komischen Momente entstehen«, bemerkt Anne Wheeler. Und tatsächlich bedient sie auf überaus gekonnte Art das Comedy-Genre mit allen Elementen für Freunde gepflegter Romantik – nur jeweils einen Deut schräger und auch spritziger – und selbst der perfekt gestaltete Musikeinsatz eingängiger Songs reiht sich nahtlos in die diesbezügliche Oberliga (Tage wie dieser) ein.
Absolut geglücktes Understatement in der Darstellung des Transvestiten Judy gelingt Peter Outerbridge, der den exakten Ton trifft zwischen Klischee und Individualismus, und in lebhaftem, pointenreichem Dialog mit der wild chargierenden Wendy Crewson als Mutter steht. Das Spiel der beiden und natürlich der wirklich bezaubernden Hauptdarstellerinnen verbreitet eine sagenhaft gute Laune, die durch fröhliches Handwerk von Kamera und Licht noch gehoben wird. Better Than Chocolate ist eine Banalität zum Liebhaben.
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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.