Von Oliver Baumgarten
Claire Poussin ist kaum dreißig und glaubt doch, wie ihre Mutter unter Alzheimer zu leiden. Sie wird zur Beobachtung in eine Spezialklinik aufgenommen und verliebt sich dort unter all den Amnesiekranken in Philippe. Je harmonischer der Anfang, desto größer am Ende die Fallhöhe, wird sich Zabou Breitman gedacht haben, und entwirft zu Beginn eine heile Welt kranker, aber gutgelaunter Patienten, die routiniert ein buntes Programm lustiger Aphasie- und Amnesie-Witze herunterspulen.
Sobald jedoch die zunächst eingebildet krank Geglaubte zweifelsfreie Alzheimer-Symptome zeigt, schnappt Breitmans Falle zu. Dezent, aber enorm effektiv bricht die konventionelle Auflösung auf und verlangt dem Zuschauer eine veränderte Wahrnehmung ab. Es etabliert sich ein neuer Rhythmus, der Ton erhält dringlichere Bedeutung, und ohne dessen unmittelbar gewahr zu werden, gerät der Zuseher zunehmend in die Subjektive eines schwindenden Bewußtseins inmitten einer tragischen Liebe.
Es sind keine großen Gesten, mit denen Breitman, Chapuis, Sasia und Javori arbeiten, um dem Drama die nötige Schubkraft zu geben, und vielleicht funktioniert es gerade deshalb so außerordentlich gut. Claire ist ein klassischer Liebesfilm und richtet sehr bewußt den Fokus auf eine der erstrebenswertesten Tugenden: die Konzentration auf den Moment – alles andere kann man vergessen.