Von Thomas Warnecke
Ein Film über die Kolonialzeit aus der Schweiz – aus der Schweiz? Markus Imhoof erzählt von einer besonderen, subtilen Form des Kolonialismus: die Missionierung des »heidnischen« Indien, an dem sich auch Schweizer beteiligten. Gleichzeitig ist dieser Film die Geschichte seiner Großmutter, die aus enttäuschter Liebe nach Indien floh, um einen ihr unbekannten Missionar zu heiraten.
Als besonderen dramatischen Kniff hat Imhoof mit seinen Co-Autoren noch eine Verwechslungsgeschichte dazuerfunden: Georgette (Elodie Bouchez aus
Liebe das Leben) merkt auf ihrer Hochzeitsreise, auf dem Schiff nach Indien, daß ihr Mann es nur auf die Fabrik ihres Vaters abgesehen hat. Durch Zufall lernt sie Esther (Sylvie Testud,
Jenseits der Stille) kennen, die einer Ehe mit einem ihr nur von einem Foto bekannten Dschungelprediger entgegensieht. Kurzerhand übernimmt Georgette die Rolle der ängstlichen Esther und trifft fern der Zivilisation auf einen fremden Mann, dessen Erwartungen sie kaum entsprechen kann, aber sie nimmt die Herausforderung des schwierigen Missionsalltages an. Eines Tages jedoch erscheint Georgettes Ehemann mit der echten Missionsbraut Esther, und die Situation eskaliert...
Dramatik in schwül-exotischem Ambiente, das Aufeinanderprallen verschiedener Welten und Weltbilder zur Zeit der Jahrhundertwende, ein Ensemble guter Darsteller –
Flammen im Paradies hat einige der Zutaten, die ein großes Leinwandepos ausmachen, und doch nimmt der Film den Zuschauer nur selten gefangen: Das Ganze ist zu bieder inszeniert, ohne den Mut zu starken Gesten und Bildern, die dieses Melodram erst als ein solches erscheinen ließen. Es ist zwar löblich, daß Regisseur Imhoof sich bemüht, sein kleines zwischenmenschliches Drama nicht zu einem hollywoodmäßigen Schinken aufzublasen, doch scheinen seine Bilder allzusehr von den fernen Kolonialzeitepen eines David Lean zu träumen, so daß sie der eigenen Geschichte verlorengehen.