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Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

The Three Burials of Melquiades Estrada. USA/F 2005. R: Tommy Lee Jones. B: Guillermo Arriaga. K: Chris Menges. S: Roberto Silvi. M: Marco Beltrami. P: Europa Corp, The Javelina Film Company. D: Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio Cedillo, Dwight Yoakam u.a.
121 Min. Edition Salzgeber ab 8.11.07

Ficken und Fernsehen

Von Martin Thomson Es gibt Filme, die mehr noch, als daß sie einem keinerlei Vergnügen bereiten, richtiggehend anekeln. Das Kinofilm-Regiedebüt des renommierten amerikanischen Schauspielers Tommy Lee Jones Three Burials, nach einem Drehbuch des gewöhnlicherweise für Alejandro González Iñárritu tätigen Drehbuchautors Guillermo Arriaga läßt sich dieser Kategorie zuordnen. Der Ort seiner Erzählung, das ist Texas, erscheint wie ein Panoptikum aus fahler Nacktheit, leeren Wohnwelten und erschöpfter Sexualität. Hier gießt die knapp und geschmacklos bekleidete Serviererin im Diner den dreckigen Truckern Kaffee ein und läßt sich in aller Öffentlichkeit vom Sheriff befummeln, während die Freizeitbeschäftigung eines Grenzbeamten im wesentlichen daraus besteht, nach dem Schneiden der Fußnägel die Gattin bei laufendem Fernsehapparat und während der Zubereitung des Abendessens rabiat und gefühllos mit fünf gezielten Stößen von hinten zu penetrieren. Sex und Gewalt liegen hier nah beieinander, aber sie scheinen nicht aus Leidenschaft begangen, sondern aus einem Leerlauf der Gefühle. Wohin mit all der Energie in der ernüchternden Freiheit des amerikanischen Südens? Die Figuren dieses Films scheinen keine Antwort zu kennen außer Ficken und Fernsehen. Jones ist mit seinem Film ein subtiles Psychogramm, nicht nur der Teilnahmslosigkeit, sondern der zutiefst verstörenden Unfähigkeit seiner Figuren einander nahezukommen, gelungen. Zugleich ist es eine desillusionierende Zustandsbeschreibung eines totgelaufenen amerikanischen Lebensgefühls, das die gleiche Gestalt angenommen hat wie der Leichnam der verstorbenen Titelfigur. So wird in Three Burials auffällig oft gespuckt und gehustet, gerade dann am meisten, wenn sich die Figuren mit dem fauligen Geruch des Todes und des Absterbens konfrontiert sehen müssen. Das Entsetzen des vormals als Menschenjäger unterwegs gewesenen Mike Norton über den Anblick dieser Fäulnis ist so unbedingte Konsequenz seiner passiven Haltung zu seinem Verbrechen und der aktiven Verteidigung gegenüber der Verfremdung seines unabänderlichen Ichs, daß er darüber nicht anders kann als sich immer wieder zu ekeln und sich abzuwenden (und mit ihm der gestrauchelte Zuschauer).

Das klingt nach einem schwer verdaulichen Film, und tatsächlich scheut Jones in der Aufbereitung dieser Passionsgeschichte um die Trinität des Todes (der Sterbende, der Trauernde, der Schuldige) weder die konsequente Darstellung der körperlichen Torturen, denen Norton ausgesetzt wird, noch, seinen beiden Hauptfiguren eine Katharsis zu gewähren, die nicht mit Zweifeln besetzt ist. Wenn sich in dem fulminanten, christlich entlehnten Ende des Films Norton seiner Sünden reingewaschen sieht, bleibt dieser Effekt ganz im Bewußtsein seiner Figur verankert und von der Regie weitgehend unberührt, so daß Jones’ Film keine befreiende Wirkung erzielt, sich aber in seiner aufgeladen wirkenden Schwermut erstmals wirklich anfühlt. Sein Neowestern, wenn sich Three Burials denn so bezeichnen läßt, drängt sich dem Zuschauer zwar auf, aber nur um den Schmerz nachvollziehbar zu machen, die Erlösung aber gibt er nicht vor. Nicht umsonst bleibt das gelobte Stück Land, auf dem Perkins Estrada vergräbt, nur ein imaginärer Ort mitten in der Einöde. Das Produkt eines konstruktiven Irrglaubens, der aus dem Nichts das größte Alles bedingt.

So wendet sich der mitunter von all dem Ekel provozierte Zuschauer vielleicht ab, wenn er aber hinschaut, bekommt er präsentiert, was letztlich jedem Film innewohnt, der sich dauerhaft einprägt; nämlich das Menschliche oder besser noch das allzu Menschliche in seinem diffusen Zustand zwischen Schmerz und Schönheit, zwischen Erschaffung und Zerstörung abzubilden und aufzuzeigen: Das ist Leben.

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