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Caché

F/A/D/I 2005. R,B: Michael Haneke. K: Christian Berger. S: Nadine Muse, Michael Hudecek. P: Wega, Bavaria u.a. D: Juliette Binoche, Daniel Auteuil, Maurice Benichou, Annie Girardot u.a.
117 Min. Prokino ab 26.1.06

Versteckspiel

Von Sebastian Gosmann Thematisch sowie dramaturgisch erzählt Haneke mit Caché sicherlich seine bisher zugänglichste, am ehesten nachvollziehbare Geschichte. Um jedoch den Zuschauer nicht vollends der Kino-Illusion anheim fallen zu lassen, arbeitet er auf der formalen Ebene konsequent an der Zerstörung ebenjener. Die auf den Beobachteten gerichtete Kamera wird erst dann als störend und unangenehm empfunden, wenn dieser sich jenem nicht autorisierten Blick auf sich und sein Leben gewahr wird. Die mit der Sichtung des ersten ominösen Videobandes aufkommende Unsicherheit bei den beiden Protagonisten ist ähnlich der im Zuschauer sich sukzessive ausbreitenden Ungewißheit über das ihm Präsentierte. Zwar ist es um ihn nicht derart bestellt, daß er fortan um sein Wohlergehen zu bangen hat, doch ist ihm sehr daran gelegen, eine für ihn (als Betrachter) wichtige Unterscheidung vornehmen zu können, nämlich die zwischen dem erzählenden Kinoblick und dem überwachenden Videoblick. Immer wieder verweigert uns Haneke jedoch diese Möglichkeit. Er läßt uns im Unklaren, indem er die Medien miteinander verschmelzen läßt. Das eine Medium verschwindet sozusagen im anderen; es wird – analog zum Filmtitel – in ihm »versteckt«. Diese Irritation entsteht durch temporären Verzicht auf medienspezifische Rahmung und gleichzeitige Ignorierung von bildtechnischen Qualitätsunterschieden. Das Kinobild wird zum Videobild und anders herum. Erst mittels einer Kamerafahrt oder eines einsetzenden Spulvorgangs löst Haneke das Rätsel auf, und für einen Moment lang darf die Skepsis einer sich letztendlich doch als fragil erweisenden Gewißheit weichen. So ringt der Regisseur seinem Publikum eine fortwährende Reflexionsleistung ab, fordert dazu auf, die Bildebenen ständig zu hinterfragen.

Der Zuschauer wird auf wunderbar spielerische Weise dazu angehalten, sich mit den Eigenschaften des Mediums Film als solchem auseinanderzusetzen und sich folglich seiner eigenen Rolle als dessen Konsument während des Konsumierens laufend bewußt zu sein. Die Umsetzung dieses Anliegens gelingt in Caché auf ungleich angenehmere, weil subtilere Art, als dies beim in dieser Hinsicht doch arg plakativ geratenen Funny Games der Fall war. Das, was in Funny Games noch Spielerei war, weiß Caché meisterhaft als Methode für sich zu nutzen.

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.

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