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Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage

4 luni, 3 saptamini si 2 zile. ROM 2007. R,B: Cristian Mungiu. K: Oleg Mutu.
S: Dana Bunescu. P: Mobra Films, Saga Film. D: Anamaria Marinca, Laura Vasiliu, Adi Carauleanu, Vlad Ivanov, Alexandru Potocean u.a.
113 Min. Concorde ab 22.11.07

Theben, 13. Jh. v. Chr.

Von Thomas Warnecke »Rumänien, 1987«. Ein HistorienfilmInsert zu Beginn, das den Zuschauer zeitlicher und räumlicher Distanz zum folgenden Geschehen versichert. Die Abtreibung bzw. ihre Bewerkstelligung (das häßliche Wort paßt hier, ohne eine moralische Implikation zu enthalten), um die es geht, wird nicht in Frage gestellt. Das mag ein blinder Fleck der Handlung sein, doch so, wie die Notwendigkeit der Abtreibung hier inszenatorisch behandelt wird, ist sie vielmehr Spiegel totalitärer Hybris. Eine kriminelle Handlung als letztmöglicher Akt der Selbstbestimmung, unter Aufgabe all dessen, was noch als persönliche Würde bezeichnet werden könnte. Gerade weil das Handeln der Figuren sich unausweichlich und alternativlos abspielt, hat Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage nichts mit gängigem Historienkitsch zu tun und auch nichts mit einem Sozialdrama, das nur Diskussionsstoff liefert. Eine Tragödie, wie sie im Buche steht und selten im Kino zu sehen ist. Und so gut inszeniert, daß sie wie ein Film und nicht nur wie ein verfilmtes Drama aussieht: durch die Beiläufigkeit, mit der alltägliche Repressalien ins Geschehen eingreifen, es zu weiten Teilen gar bestimmen. Die Erniedrigung und Entwürdigung der Personen hat ihren ganz konkreten Ort: ein Hotelzimmer, konventionell ein Ort des komischen Würdeverlustes beim Seitensprung in ungezählten Boulevardkomödien. Die Art, wie die Kamera Klaustrophobie erzeugt und das Zusammensein der Frauen einfängt, unterstützt das Spiel der Figuren, die sich nach der Vergewaltigung nicht mehr ansehen können. Wie Truffaut in Les deux anglaises et le continent (1971) das Blut der Entjungferung gefilmt hat, wird hier der abgetriebene Fötus gezeigt.

Es gibt keinen Grund, sich diesen Film anzutun, außer dem, aus dem man sich im Theater wieder und wieder »Antigone« oder »Medea« vorführen läßt: hilflos auf Katharsis hoffend, vergeblich nach Gründen suchend, wie trotzdem weitergelebt werden kann. Otilia ist eine Antigone des 20. Jahrhunderts – das ist fürchterlich predigerhaft geschrieben, aber darin liegt die stille Wucht dieses Films (der in vielem, und auch im folgenden, an Kaurismäki erinnert), daß er bis auf weiteres nichts übrigläßt als Menschlichkeit unter widrigsten Bedingungen.

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.

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