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Spiel mit der Angst

Universum
Sprachen: Deutsch, Englisch
2,35:1 (anamorph / 16:9)
Extras: Trailer
91 Min.

CDN/UK 2007. R: Mike Barker. B: William Morrissey. K: Ashley Rowe. M: Robert Duncan. P: Butterfly Productions, Infinity Features Entertainment, Irish DreamTime, Icon Productions, Icon Entertainment International. D: Pierce Brosnan, Maria Bello, Gerard Butler, Claudette Mink, Chris Astoyan, Samantha Ferris, Kathleen Dagis, Agam Darshi, Aaron Douglas, Jesse Green u.a.

Zerstörungswut

Von Ines Schneider Neil Warner hat Erfolg. Und er hat ihn auch verdient! Diese Überzeugung stellt er mit jedem seiner Worte und jeder seiner Gesten zur Schau. Die Liebe und das Verständnis seiner Frau Abby, die Bewunderung seiner Kollegen, das Vertrauen seines Chefs und das aufreizende Lächeln seiner Geliebten nimmt er wie selbstverständlich entgegen. Lange kann der Zuschauer diese Selbstzufriedenheit nicht ertragen, und das muß er auch nicht. Am Morgen von Abbys Geburtstag bricht das Paar gemeinsam auf. Sie will den besonderen Tag mit einer Freundin verbringen, er ist auf dem Weg zu seinem Chef, denn das Geschäft geht wieder einmal vor. Da richtet sich auf dem Rücksitz ihres Range Rovers ein bewaffneter Fremder auf. Er behauptet, die Tochter der beiden in seiner Gewalt zu haben und droht damit, sie zu töten. Ohne befriedigende Erklärung zwingt er dem Paar nun eine tückische Aufgabe nach der anderen auf und zerstört dabei systematisch alles, was zumindest Neil Warner lieb und teuer ist. So läßt er die beiden ihr gesamtes Vermögen abheben, nur um es vor ihren Augen zu verbrennen, Abby muß belastende Unterlagen aus der Firma ihres Mannes beim zukünftigen Geschäftspartner abgeben, und zum Schluß drückt er Neil einen Revolver in die Hand und zwingt ihn, auf die Person zu schießen, von der Neil sagt, daß er sie liebt.

Der Plot von Spiel mit der Angst hält eine originelle Grundsituation und genug Unvorhersehbarkeiten bereit, um einen spannenden Thriller zu ergeben. Daß er einen trotzdem nicht richtig mitreißt, liegt vermutlich an der allzu routinierten Inszenierung in einer allzu filmreifen Umgebung. Die Quälereien, die der Entführer vor allem für Neil Warner bereithält, sind eher fantasielos. Er will ihn dort packen, wo es ihn am meisten schmerzt, kommt dabei aber nur auf die ganz offensichtlichen Punkte: Geld, Arbeit, Frau. Selbst eine Schwäche, die der sonst so souveräne Geschäftsmann nicht überwinden kann, verleiht ihm nicht mehr Charakter, sondern gerät zu einem eher flachen Gleichnis: Er leidet an Höhenangst und wird deswegen auf das Dach eines Hochhauses gehetzt, als ahnte man nicht schon nach den ersten Filmminuten, daß, wer hoch steigt, auch tief fallen kann.

Was die Inszenierung der Figuren vor allem so leblos wirken läßt ist das Setting, durch das sie sich bewegen. In dieser Welt, die so demonstrativ die der Reichen und Erfolgsverwöhnten ist, scheint jede unvorhergesehene Gefühlsregung an spiegelnden Glasfassaden und polierten Autotüren abzuperlen. Zwischen imposanter Architektur, edler Ausstattung und farblich sorgsam abgestimmten Kostümen können sich Dramaturgie und Schauspielkunst kaum entfalten. Natürlich wird dieser Eindruck auch ganz bewußt eingesetzt. Wenn Neil und Abby Warner zum Beispiel in kürzester Zeit einige hundert Dollar auftreiben müssen, weisen die Passanten, die die beiden um Hilfe bitten, sie ab, peinlich berührt von so viel unverhüllter Verzweiflung. Sie landen schließlich bei einem Pfandleiher, der ein protziges Ambiente nicht nötig hat, um lukrative Geschäfte zu tätigen.

Doch solche Effekte gelingen nicht immer. Der finstere Blick des Entführers beginnt zu flackern, als er während seines Rachefeldzugs überraschend seinem eigenen Sohn auf der Straße begegnet. Dessen neue Freundin wohne ein Stück »die Straße runter«. US-amerikanische Straßen können bestimmt sehr lang sein, doch es ist trotzdem schwer vorstellbar, daß sich in dem noblen Geschäftsviertel von Chicago junge Studentinnen eine Unterkunft leisten könnten. Keiner der Figuren traut man einen Alltag jenseits der durchkomponierten Einstellungen zu, ein bißchen ungestylte Intimität, ein Glück, das es zu verteidigen lohnt.

Es sind dann auch die Kleinigkeiten, die das Wesen einer Figur besser zum Ausdruck bringen. Bei Neil Warner wirkt eine kurze Episode bezeichnender als jede übertriebene Huldigung durch seine Mitmenschen oder jeder sündhaft teure Gegenstand: Am frühen Morgen geht er betont achtlos an seiner kleinen Tochter vorbei und sagt dabei »Wiedersehn, Sophie!«, um gleich darauf zurückzukommen und in ihr enttäuschtes Gesicht »Das war doch nur’n Witz!« zu sagen. Ein schwacher Trost, denn einige Minuten später geht er dann endgültig zur Arbeit. Sein Kind weiß nur zu genau, daß der Vater jeden Tag früh aufbricht und spät wiederkommt, ohne Ausnahme. Einen ähnlich vermeintlich harmlosen Scherz erlaubt sich später der Pfandleiher, und diese kleine Grausamkeit sitzt besser als die aufwendigen Strafen, mit denen der Entführer aufwartet.

Leider sind solche Momente selten. Pierce Brosnan tut sein Bestes, um den Glamour, der seine Person stets umgibt, vergessen zu lassen und einen Mann zu verkörpern, den Enttäuschung und Hilflosigkeit aggressiv gemacht haben. Doch nur in einer Szene wirkt er wirklich glaubhaft und zwar in der letzten, in der die Intrige ihr Ende nimmt, der Mann einen Namen erhält und aufhört, ein Verbrecher zu sein. Für Gerard Butler hält die Rolle des Neil Warner nichts dergleichen bereit. Die Glätte, mit der Warner sich angeblich durch sein Leben bewegt, wird an keiner Stelle des Drehbuchs durchbrochen, und Butler hat, trotz aller Prüfungen, die Warner erduldet, nie die Gelegenheit, dem Prototyp des hedonistischen Werbefachmanns einige Facetten hinzuzufügen.

So ist Spiel mit der Angst nicht der schnelle fiese Thriller, der er in einer weniger prächtigen Umgebung vielleicht hätte werden können. Vor diesem von Produktionsfirmen durchgeplanten Hintergrund werden die Figuren nicht zu Persönlichkeiten, ihre Verluste lassen den Zuschauer kalt. Der Film bleibt ordentliche Handwerkskunst. Das mittelgroße Budget ist gut angelegt, aber die Originalität bleibt auf der Strecke. Auch der Anbieter scheint diese DVD vor allem als solide Unterhaltung auf den Markt zu bringen. Das Menü ist angenehm gestaltet, abgesehen vom Trailer ist kein Zusatzmaterial vorhanden, man kann zwischen der deutschen Synchronfassung, der Originalversion und deutscher Untertitelung wählen und, wenn man möchte, noch etwas Werbung anklicken.

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